Verfasst von: Christian Reinboth | November 30, 2007

Schuld ist die Windkraft – und die Chinesen!

Keine große Überraschung: Auch die Stadtwerke im beschaulichen Wernigerode haben zum 01. Januar 2008 die Energiepreise deutlich angezogen – wenn ich die verschiedenen Schreiben korrekt interpretiere, kommen auf mich insgesamt um 73,08 EUR höhere Energiekosten im Jahr zu, womit ich noch am unteren Ende des Erhöhungsspektrums liege. Wie die Süddeutsche heute berichtet, erhöhen die Gemeindewerke Mark Lichtenau für Haushalte in Ansbach die Kosten gleich um ganze 34,2%, was bei einem Haushaltsverbrauch an Strom von rund 4000 Kilowattstunden im Jahr Mehrkosten von etwa 238 EUR entspricht.

Ärgerlich ist vor allem, wie die Erhöhung vielfach begründet wurde – nicht nur in Wernigerode sondern auch in vielen anderen Städten und Gemeinden im Land:

„Die Nachfrage nach Energie insbesondere in rasch wachsenden Volkswirtschaften wie China, Indien führt zu weiterhin steigenden Energiepreisen auf dem Weltmarkt. Aber auch der politisch geforderte und unumstritten sinnvolle Ausbau der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien wirkt sich auf die Preise aus. Denn die hieraus resultierenden Mehrkosten müssen per Gesetz bundesweit auf den Strompreis der Kunden aufgeschlagen werden. Von diesen internationalen und nationalen Entwicklungen können sich die Stadtwerke Wernigerode nicht abkoppeln“. [Original siehe hier]

Dies steht in diametralem Gegensatz zu Angaben aus der Regenerativen Energiewirtschaft: Vor zwei Jahren lag der Strompreisanteil für die erneuerbaren Energien laut der Informationskampagne für Erneuerbare Energien noch bei 2,8 %, der Bundesverband WindEnergie e.V. beziffert den aktuellen Preisanteil sogar nur mit 2,3%, wobei 65% auf Strom aus Windenergie entfallen. Die aktuellen Preissteigerungen von teilweise mehr als 30 % können mit diesem geringen Einfluß der „Erneuerbaren“ auf die Preisbildung nur schwer begründet werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang außerdem, dass etliche große Energiekonzerne noch 2006 verlauten ließen, dass der Strompreis sich durch die Nutzung von Erneuerbaren Energien nicht erhöht, sondern statt dessen die Preiserhöhung ausgebremst wird. So findet sich in einer Vattenfall-Pressemitteilung vom Februar 2006 die folgende Aussage:

„Ohne die erneuerbaren Energien wäre der Preisanstieg des Stromversorgers Vattenfall Europe noch deutlich höher ausgefallen. Das sagte eine Unternehmenssprecherin dem ‚Tagesspiegel‘ (Mittwochausgabe). ‚Die Beschaffungskosten für regenerativen Strom haben sich nicht so stark erhöht wie die für konventionellen Börsenstrom‘, erklärte die Sprecherin. Vor allem die gestiegenen Gaspreise hätten den Strompreis an der Energiebörse EEX in die Höhe getrieben. Diese Teuerung müsse nun an die Kunden weiter gegeben werden. Der Preis für Strom aus Wind, Wasser und Sonne sei dagegen weniger stark gestiegen.“ [Original siehe hier]

Die Belastung des Verbrauchers durch Erneuerbare Energien muss daher zum aktuellen Zeitpunkt als äußerst gering eingeschätzt werden, auch wenn sich die Zahlen natürlich für jeden Energieversorger ein wenig anders darstellen. Die extreme Erhöhung des Strompreises auf die „Belastung“ durch die gesetzlich vorgeschriebene Abnahme von Erneuerbaren Energien zu schieben ist unbotmäßig, und sollte von den Verbrauchern in dieser Form nicht akzeptiert werden. Durch die Abstempelung der Erneuerbaren Energien zum „Sündenbock der Energiepreiserhöhung“ wird der weiteren Akzeptanz dieser Energieform in der Bevölkerung zudem ein klarer Bärendienst erwiesen.

Als überzeugter Marktwirtschaftler und Unternehmer – Gründer und Gesellschafter der HarzOptics GmbH sowie Gründer und Geschäftsführer der Statistikberatung Reinboth – bin ich der Letzte, der Unternehmer übermäßig in ihrer Preispolitik beschnitten sehen möchte. Mir ist auch bewusst, dass sich weder die Stadtwerke Wernigerode noch die Gemeindewerke Mark Lichtenau aus einer von Großkonzernen angestoßenen allgemeinen Preiserhöhung ausklinken können – dies wäre gerade für regional gebundene Energieversorger betriebswirtschaftlicher Unsinn. Ich bin allerdings der Ansicht, dass die Mechanismen hinter der Preisbildung nicht irreführend kommuniziert werden sollten – vor allem nicht in einer Art und Weise, die den Frust der von der Erhöhung betroffenen Verbraucher auf die dringend benötigten Erneuerbaren Energien lenkt und damit deren weiteren Ausbau gefährdet („dann wird ja alles noch teurer“).

Es bleibt zu hoffen, dass die Politik hier zumindest noch mäßigendend und vor allem erklärend eingreift. Der Verbraucher kann bis dahin nur hoffen und warten – oder vielleicht zu einem Ökostromanbieter wie Greenpeace Energy wechseln. Ich werde jedenfalls ernsthaft darüber nachdenken.

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