Verfasst von: Christian Reinboth | Dezember 19, 2007

Allensbach-Umfrage: Bürger setzen auf regenerative Energie

Die Online-Ausgabe der FAZ überrascht heute mit den aktuellen Ergebnissen einer Bürgerbefragung des bekannten Allensbach-Instituts für Demoskopie zum Themenkomplex „Energieversorgung“. Die Soziologin und Volkswirtschaftlerin Prof. Renate Köcher (Uni Konstanz), die gemeinsam mit der Meinungsforschungs-Ikone Prof. Elisabeth Noelle das Allensbach-Institut leitet, nahm die Ergebnisse der kürzlich durchgeführten Befragung für die FAZ persönlich in Augenschein und kam zu dem Schluss, das regenerative Energien mehr denn je vom Bürger gewollt werden:

„Ginge es nach dem Wunsch der Bevölkerung, würde die Energieversorgung der nächsten Jahrzehnte vor allem von Sonne und Wind, begrenzt auch durch Wasser und Biomasse gesichert. […] Selbst wenn nicht nach den Idealvorstellungen, sondern den Erwartungen gefragt wird, welche Energien in den nächsten zwei, drei Jahrzehnten den größten Beitrag zur Versorgung leisten werden, nennen die Bürger die Sonnenenergie mit Abstand am häufigsten (63 Prozent), gefolgt von der Windenergie (50 Prozent), und dann erst mit einigem Abstand die Kernenergie (39 Prozent), Erdgas (35 Prozent) und Wasserkraft (33 Prozent). Nur 23 Prozent der Bevölkerung gehen davon aus, dass Erdöl in den nächsten Jahrzehnten wesentlich zur deutschen Energieversorgung beitragen wird. In Bezug auf die Kohle können sich nur 12 Prozent vorstellen, dass sie künftig beträchtlich zur Versorgung beisteuert.“ [Link zur Originalquelle]

Wer sich den kompletten Artikel zu Gemüte führt wird feststellen, dass dieser auch Kritik an dieser Mehrheitsmeinung enthält, so ist unter anderem von „romantischer Zuneigung“ zu den Erneuerbaren Energien die Rede, außerdem wird bemängelt, dass der scheinbare öffentliche Konsenz das Ziel untergräbt, die Energieversorgung auf eine möglichst breite Basis zu stellen. Unabhängig davon ist das Ergebnis ein positives Signal für alle Verfechter der regenerativen Energietechnik, denn es zeigt deutlich, dass eine breite Mehrheit der Bevölkerung – und nicht nur eine Randgruppe weltfremder „Ökos“ – die Energiewende hin zu den Erneuerbaren nicht nur wünscht, sondern auch für ein realistisch erreichbares Ziel hält. Dies zeigt, dass die öffentlichen Diskussionen der letzten Jahre um die Sicherheit der Energieversorgung, die politischen Konsequenzen der gesellschaftlichen Abhängigkeit vom Erdöl sowie um Klimaschutz und Reaktorsicherheit nicht ohne Folgen geblieben sind, sondern das Energiebewußtsein der Bevölkerung nachhaltig verändert haben.

Neben Fragen zur Zukunft der Energieversorgung wurden noch diverse weitere Fragestellungen vom Allensbach-Institut untersucht, wenngleich die Ergebnisse hier wenig überraschen: Die ständig steigenden Energie- und Ölpreise belasten vor allem untere Einkommensschichten, die Energieversorger werden als unterdurchschnittlich kundenorientierte Unternehmen betrachtet und die Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich weniger Preisabsprachen zwischen den Energiekonzernen (dies sieht das Bundeskartellamt sicher ähnlich) und dafür mehr freien Wettbewerb sowie vor allem mehr Preistransparenz auf dem Energiesektor.

Insgesamt eine interessante Studie, die den Verantwortlichen in Poltik und Wirtschaft vor allem einen Sachverhalt vor Augen führen sollte – die Menschen in diesem Land sind insbesondere durch die Preiserhöhungen der letzten Zeit auf die Probleme in der Energieversorgung aufmerksam gemacht worden und beobachten die Entwicklung des Energiemarktes durchaus mit Interesse. Damit hat die Energieversorgung im Bewußtsein der Bevölkerung einen Stellenwert erreicht, den sie vor wenigen Jahren noch nicht eingenommen hat. Dies impliziert, dass es durchaus gelingen könnte, neue Kunden (oder auch neue Wähler) mit interessanten und innovativen Versorgungs- sowie Einsparkonzepten zu gewinnen – eine wichtige Erkenntnis für Unternehmer und Politiker: Energieversorgung und Energiewende gehören in jede Agenda!

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Responses

  1. Denke das Bild hat sich inzwischen noch mehr in Richtung positiver Tendenz hin zu erneuerbaren Energien verändert. Wenn ich so in meiner Nachbarschaft herumschaue, wie viele Solarzellen da inzwischen auf den Dächern sind, bekommt man jedenfalls diesen Eindruck vermittelt!


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